Ich möchte nun versuchen die Fragen, die ich in meinem ersten Beitrag gestellt habe zu beantworten:
Was bringt es den Parteien, die viel in den Social Media-Bereich investieren? Haben sie wesentliche Vorteile?
Ich denke für die letzten Wahlen im Oktober hat es ihnen noch nicht sehr viel Nutzen gebracht. Neue Wähler konnten ziemlich sicher nicht durch ihre Präsenz auf Facebook und Co. dazugewonnen werden. Denn die Wähler nahmen kaum Gebrauch, um sich über Social Media zu informieren. Sie bevorzugen immer noch die Informationsquellen Zeitung, Radio & TV. Dass die Wähler kaum Social Media nutzten, kann vielleicht die Studie “Die Schweiz im Internet 2011” teilweise erklären: Die Studie hat gezeigt,
“dass Internet-Nutzer generell politisch aktiver sind als Nicht-Nutzer. Die politischen Aktivitäten im Internet sinken jedoch, wenn die Anforderungen an die politische Aktivität steigen. So wird das Internet beispielsweise mehr für die Informationssuche gebraucht als für politische Diskussionen. Nach wie vor diskutieren auch zwei Drittel der Onliner politische Themen ausschliesslich offline.”
und “Dem Internet wird kein grosses Vertrauen entgegengebracht: Nur ein Fünftel (22 Prozent) der Schweizer Bevölkerung glaubt, dass es im Internet sicher ist zu sagen, was immer man über Politik denkt.”
Dies ist sicherlich auch ein Grund, dass auf vielen Plattformen der Parteien bis jetzt meistens keine grosse Dialoge entstanden sind. Social Media sollte jedoch hauptsächlich gemeinsam und nicht einseitig stattfinden.
Aber deswegen als Partei auf Social Media zu verzichten würde ich trotzdem nicht. Ich habe mich zudem gefragt, was es den Parteien bringt, auf den verschiedenen Plattformen Präsenz zu zeigen. Verglichen mit den traditionellen Kanälen (z.B. Zeitungen, Radio, TV) sind mir folgende Vorteile für die Nutzung von Social Media eingefallen:
- geringere Kosten (z.B. keine Druck- & und Transportkosten)
- eine breite Community wird angesprochen (Zielpublikum wird besser erreicht, bei einer Zeitung gibt es beispielsweise meist hohe Streuverluste)
- viele Feedbackmöglichkeiten
- einfache und schnelle Veröffentlichung
Die Mehrheit der Schweizer Parteien beteiligen sich und nutzen nun einen Bereich von Social Media. Am meisten verwendet werden Facebook, Twitter, Blogs, RSS, aber auch YouTube und Flickr. Zum Teil wissen die Parteien wohl noch nicht ganz wie mit diesen Mitteln umzugehen ist. Da haben beispielsweise Parteien einen Account auf Twitter, schreiben ihre Tweets, haben auch eine Anzahl Follower, aber sie selber folgen niemanden. Ich finde, wer bei Social Media mitmischen möchte, sollte sich möglichst bemühen, zu verstehen wie damit umzugehen ist.
Ich habe mich auch gefragt, ob Gefahren für die Parteien bestehen bei der Nutzung von Social Media. Diese sind sicher auch vorhanden und nicht zu vergessen. Folgendes zeigt z.B. die Gefahr von Kontrollverlust auf:
“Tatsache ist, dass Social-Media die Kommunikation und damit auch die Kultur und die Organisation einer Partei nachhaltig verändern. Die Zeiten der zentral gesteuerten top-down Information sind endgültig vorbei. Social-Media unterstützt und fördert eine dezentrale bottom-up Kommunikation. Dabei können einerseits divergierende Meinungen und Positionen innerhalb einer Partei zum Ausdruck kommen. Andererseits prägt die Kommunikation auf Social-Media auch die politische Kultur und den politischen Stil einer Partei. Dies kann in manchen Parteizentralen zu Ängsten vor Kontrollverlust führen. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, dass man sich auf gemeinsame Spielregeln einigt und diese auch öffentlich bekannt gibt.”
Die Evangelische Volkspartei (EVP) bietet beispielsweise auf ihrer Website einen Social-Media-Leitfaden und eine Social-Media-Policy als Orientierung für die Nutzung von Facebook, Twitter usw.
Es wird sich nun zeigen, ob bis zu den nächsten Nationalratswahlen die Nutzung von Social Media bei den Parteien zu- oder abnehmen wird, es erfolgreicher eingesetzt werden kann oder nicht. Veränderung gibt es bis dahin bestimmt – die Frage ist nur in welche Richtung.